PM: Fahrrad- und Umweltverbände appellieren an neue Bürgermeister*innen in NRW: Vorhandene Flächen gerecht verteilen

Nach den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen rufen Verkehrs- und
Umweltverbände die gewählten Bürgermeister:innen dazu auf, die Mobilitätswende in
den Städten und Gemeinden auszuweiten, vorhandene Verkehrsflächen gerecht zu
verteilen und klimaschädliche Maßnahmen abzubauen. Zu dem Zusammenschluss
gehören der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club NRW (ADFC NRW), der Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) und der Naturschutzbund (NABU)
NRW.


Annähernd ein Viertel der gesamten Landesfläche Nordrhein-Westfalens sind Siedlungs- und
Verkehrsflächen1. Den Großteil der Verkehrsflächen beansprucht in vielen Städten der
Autoverkehr, ob als fließender Verkehr, als Stau oder als geparkte Autos. Darüber hinaus ist
Autoverkehr durch den CO2-Ausstoß deutlich klimaschädlicher als der Umweltverbund
(Radverkehr, Fußverkehr, ÖPNV). Daher braucht es eine Umverteilung der vorhandenen
Verkehrsflächen zugunsten des Umweltverbunds. Diese ist eine Voraussetzung zur Transformation hin zu lebenswerteren Städten mit weniger Autolärm, saubererer Luft und
mehr Raum für Begegnung.

„Die Kommunen sind entscheidend, wenn es um eine nachhaltige Verkehrspolitik geht“,
betont die Landesvorsitzende Susanne Niemann vom Fahrradclub ADFC NRW. „Jetzt liegt
es an den Bürgermeister*innen, mit klaren Entscheidungen und sichtbaren Projekten zu
beweisen, dass Kommunen klimaverträglich, sicher und gerecht gestaltet werden können.“


„Die umweltgerechte und klimawandelangepasste Stadt von morgen entscheidet sich mit den neuen Menschen in den Stadtspitzen. Ein Ende der Neuversiegelung und Raum für Fußgänger und Radfahrer auf bisherigen Autostellflächen sind die Stellschrauben, an welchen jetzt gedreht werden muss“, sagt Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW.


„Die Mobilitätswende in NRW ist ein Gemeinschaftsprojekt und viele zentrale Entscheidungen werden auf kommunaler Ebene getroffen. NRW braucht jetzt eine zukunftsorientierte kommunale Verkehrspolitik. Dazu gehören nicht nur gerecht verteilte Verkehrsflächen, sondern auch Maßnahmen für mehr Stadtgrün und einen attraktiven Umweltverbund.“, sagt Lukas Stemper, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU NRW.

Mehr Platz für den Umweltverbund
Für diesen Wandel müssen Kommunen Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge verstehen.
Wichtig ist, einen attraktiven Umweltverbund zu schaffen, langfristig finanziell zu sichern und multimodale Mobilität zu fördern. Der Umweltverbund muss bei der Aufteilung der
vorhandenen Verkehrsflächen priorisiert werden und auf gestiegene Bedarfe beispielsweise
im Radverkehr abgestimmt werden. Mobilitätsstationen (z.B. Bahnhöfe mit Bike+Ride,
Carsharing, E-Scooter und ÖPNV) erleichtern den direkten Umstieg und erweitern den
Einzugsbereich von Haltestellen. Schlüsselfaktoren sind eine gute Ausschilderung,
barrierefreie Wege und sichere Abstellmöglichkeiten.

Mehr Ruhe, Erholung und Miteinander
Vielfältige Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung – etwa Tempo-30-Zonen, Durchfahrtsbeschränkungen, kleine Plätze mit Sitzgelegenheiten oder bauliche
Aufwertungen – führen zu sichereren Straßen, geringeren Unfallzahlen, geringerer
Lärmbelastung und einer attraktiveren öffentlichen Umgebung. Auch muss sich die
Infrastruktur stärker an den Bedürfnissen der aktiven Mobilität orientieren. Breitere Gehwege
sorgen für mehr Sicherheit und schaffen Aufenthaltsqualität. Innerhalb verkehrsberuhigter
Quartiere entstehen schneller Nachbarschaftskontakte und gerade für Familien mit Kindern
und ältere Menschen erhöht sich dadurch die Möglichkeit zur Teilhabe am städtischen
Leben.

Mehr Platz für Stadtgrün
Die Klimafolgenanpassung stellt die dichtbesiedelten Städte und Regionen NRWs vor
besondere Herausforderungen. Durch systematische Flächenentsiegelung, die Ausweitung
urbaner Grünflächen und die Anwendung des Schwammstadt-Prinzips können Städte nicht
nur resilienter gegenüber den zunehmenden Folgen der Klimakrise, sondern auch allgemein
attraktiver und lebenswerter werden.

Oberirdische Stellplätze versiegeln 63,6 Mio. Quadratmeter Fläche in NRW2. Dabei stehen
Autos im Schnitt 23 Stunden am Tag unbewegt an einem Ort3. Dieses Potenzial müssen
Städte nutzen und den Parkraum intelligent und zukunftsorientiert zu verteilen. Auto
Parkplätze auf Bürgersteigen und am Straßenrand können durch Rückbau in entsiegelte
Baumplätze und Grünflächen umgewandelt werden. Das so entstandene Stadtgrün kann
Regenwasser besser aufnehmen und Hitzebelastung mindern.

Rückhalt aus der Zivilgesellschaft
Die Kommunen in NRW können jetzt entscheidend zur Mobilitätswende in NRW beitragen
und dafür haben sie viel Rückhalt aus der Gesellschaft. Ein gutes Beispiel dafür ist das
Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende NRW, das sich als breiter Zusammenschluss aus
Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbänden, Kirche, und zivilgesellschaftlichen Initiativen
für eine sozialverträgliche Mobilitätswende in NRW einsetzt4.

Für Rückfragen:

Fiona Sürth

Projektleiterin Bündnis sozialverträgliche Mobilitätswende NRW

E-Mail: Fiona.Suerth@NABU-NRW.de

Tel.: +49 (0) 211 15925126

LinkedIn-Profil (öffnet in neuem Fenster
  1. https://www.umwelt.nrw.de/themen/umwelt/umwelt-und-ressourcenschutz/boden-und-flaechen/flaechenverbrauch ↩︎
  2. https://www.it.nrw/sieben-prozent-der-nrw-landesflaeche-sind-flaechen-fuer-verkehr-18075 ↩︎
  3. https://www.mobilitaet-in-deutschland.de/archive/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf ↩︎
  4. https://nrw.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/mobilitaetswende/index.html ↩︎

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